|
Toni
Lichtsteiner Feuerwehr Die
Geschichte der Wolhuser Feuerwehr geht 'ins 19. Jahrhundert zurück. Man
nimmt an, dass schon 1820, bei der Anschaffung der ersten Schöpfspritze,
Feuerwehrleute eingeteilt waren. Allerdings bekundete die Gemeinde
Wolhusen für das Löschwesen, das ihr von der Luzerner Regierung
aufgezwungen wurde, sehr wenig Verständnis. Während rund 70 Jahren war
die Arbeit sowie der Unterhalt der Löschgeräte nicht befriedigend.
Wolhusen musste sich deshalb jahrzehntelang Vorwürfe und Beanstandungen
der Luzerner Regierung gefallen lassen. Als Ende des 19. Jahrhunderts
erstmals eine Schiebeleiter und persönliche Ausrüstungen angeschafft
sowie im Dorf Wolhusen zwölf Hydranten erstellt wurden, begann sich
langsam eine Feuerwehr zu organisieren, wie wir sie heute kennen. 1950
wurde die seit 1662 im Markt bestehende Feuerwehr aufgelöst und in die
Feuerwehr Wolhusen integriert. In den nachfolgenden Jahren entwickelte sie
sich zu einer Stützpunktfeuerwehr. In den siebziger Jahren wurde durch
die Auslieferung von drei Grossfahrzeugen und die Ausrüstung der Ölwehr
mit entsprechendem Material ein wichtiger Markstein gesetzt. Dienstreglement Bereits
im Jahre 1843 genehmigte die Luzerner Regierung die erste Feuerwehrordnung
der Gemeinde. 1922 wurde ein neues Feuerwehrreglement geschaffen, das 1959
abgelöst und dem kantonalen Gesetz über den Feuerschutz angepasst wurde.
1988 genehmigten der Gemeinderat und die Gebäudeversicherung das neue
Dienstreglement der Feuerwehr Wolhusen, worin der heutigen Organisation
und ihren Aufgaben voll und ganz Rechnung getragen wird. Feuerwehrmagazin Der
Standort des Feuerwehrmagazins war von jeher beim heutigen Gemeindehaus.
Im Jahre 1954 wurde das alte Feuerwehrmagazin umgebaut und vergrössert
sowie 1973 die Garagen der drei Grossfahrzeuge angebaut. Seit 1986 beschäftigt
sich die Feuerwehrkommission mit dem Neubau eines Feuerwehrmagazins.
Esfehltan Platz für Fahrzeuge, an einem Atemschutz‑ und einem
Werkstattraum für den Feldweibel, an sanitären Einrichtungen sowie an
einem Theorieraum. Zudem ist das bisherige Feuerwehrlokal baufällig. Am
30.8.1989 setzte der Gemeinderat eine Planungsund Baukommission ein.
Innerhalb von zwei Jahren klärte sie rund zwölf Standortmöglichkeiten
ab. Der Gemeinderat entschied sich für den Standort Berghof und
beantragte der Gemeindeversammlung im Dezember 1991 einen Planungskredit
von Fr. 80'000.‑ für ein neues Lokal. Die Bürger konnten sich
jedoch mit dem vorgeschlagenen Standort und den hohen Erschliessungskosten
nicht anfreunden und lehnten den Kredit ab. Gegenwärtig werden daher
erneut Standortabklärungen getroffen. Geprüft werden neben dem Berghof
als mögliche Standorte auch das Sandmättli, das Sennhöfli (beide
Wolhusen‑Markt), der Rosengarten und der Bergboden. Brandausrüstung
und Einsätze 1932
bestand für die Wolhuser Feuerwehr erstmals die Möglichkeit, telefonisch
zu alarmieren. Sechs Gruppen mit zehn Anschlüssen standen zur Verfügung,
wobei zwei Gruppen für die Feuerwehr im Markt bestimmt waren. Mit der
neuen Telefonzentrale in Wolhusen im Jahre 1979 standen der Feuerwehr zwölf
Gruppen zur Verfügung. Seit 1984 erfolgt die Alarmierung über die
Einsatzzentrale der Kantonspolizei Luzern. 1975 wurde der
SonntagPikettdienst für Offiziere eingeführt. In
den letzten 20 Jahren erhielt die Wolhusen Feuerwehr verschiedene
effiziente Fahrzeuge und Gerätschaften. Als Bestandteil der Stützpunktfeuerwehr
wurden sie von der kantonalen Gebäudeversicherung subventioniert und
belasteten die Gemeinde daher nicht mehr als eine Ortsfeuerwehr. Der
Brandschutz der Gemeinde verbesserte sich zusätzlich durch die
Inbetriebnahme der Wasserversorgung Steinhuserberg mit 45 Hydranten (1977)
und dem Wasserreservoir Mürge (1987). Ölwehr Die
Ölwehr untersteht dem kantonalen Amtfür Umweltschutz, wird aber durch
die Feuerwehrstützpunkte im Kanton Luzern betreut, nachdem in diesen
Wehren die entsprechende Infrastruktur bereits bestand. 1966 wurde der Stützpunkt
Wolhusen mit einem Ölwehranhänger und dem entsprechenden Material ausgerüstet.
Mit den jährlich zunehmenden Einsätzen ent schloss
sich das damalige Gewässerschutzamt, die Ölwehren mit einem
selbstfahrenden Fahrzeug mit zweckmässigem Aufbau auszurüsten. Es wurde
1976 an den Stützpunkt Wolhusen ausgeliefert. In den letzten 20 Jahren
musste die Ölwehr jährlich zwischen vier‑ bis zwölfmal ausrücken. Der gute Ausbildungsstand, die materielle Ausrüstung und die ausgezeichnete Kameradschaft der Feuerwehr Wolhusen sollen auch in Zukunft Gewähr für einen tadellosen Einsatz unter dem Motto «Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr» bieten.
Der große Markt - Brand vom 6. auf den 7. März 1876 Ein dunkles Kapitel in der
Geschichte der Ortschaft Wolhusen ist der große Markt‑Brand vom
Jahre 1876. Der Arzt Sebastian Grüter, Aktuar des nachher gebildeten
Hilfskomitees, berichtet darüber als Augenzeuge folgendes: «Bevor wir den Brand selbst
schildern, können wir nicht umhin, einen wichtigen Faktor zu berühren,
durch den der Brand eine solche Entstehung und Ausdehnung hatte gewinnen können.
Wir meinen nämlich die Feuerwehranstalten und die Feuerwehren überhaupt.
Sowohl die kantonale als die Ortspolizei ließen bei dieser wichtigen
Sache nicht die gehörige und stramme Aufsicht walten, welche bei einem so
feuergefährlichen, aus nur aneinander gebauten Holzhäusern bestehenden
Dorfe notwendig erschien. Ja, noch mehr! Schon oft haben Brandausbrüche
dem Dorfe den Untergang gedroht, konnten aber durch die Wachsamkeit und
Energie der Bürger jedes Mal wieder gedämpft werden.
Alle diese Branddrohungen
wurden teils durch Fahrlässigkeit der Leute selbst, teils durch
fortbestehende, wegerkannte Übelstände schlechter Feuerherde oder Öfen
veranlasst. Also Mangel an Feuerpolizei! Jeder vorsichtige Bürger im
Markt konnte und musste voraussehen, dass hier über kurz oder lang eine
solche Katastrophe hereinbreche, und war daher vorsichtig beflissen, seine
Habe gegen Brand zu versichern. Aus einem unerklärlichen Grunde ließ
zudem der Gemeinderat von Werthenstein alle im Markt befindlichen
Feuereimer und Haken mit den vorhandenen Uniformen der sogenannten Feuerläufer
vom Markt weg ins Kloster Werthenstein bringen. Die in der Gemeinde
Werthenstein befindliche einzige und ältere Feuerspritze war im
Klostergebäude untergebracht und diente vorzugsweise nur zum Schutze
derselben sowie der zunächst stehenden Gebäude. Für den gefahrvollen
Flecken Markt war also in dieser Beziehung (mit Ausnahme genügenden
Wassers) am wenigsten gesorgt. Die zugnächstbefindliche Feuerspritze, von
Gebrüder Lampart in der Leimbütz bei Fischbach 1821 geliefert, war im
Dorfe Wiggern stationiert und alt und für ein größeres Brandunglück
notorisch ungenügend. Trotzdem konnten sich die beiden Gemeinderäte von
Werthenstein und Wolhusen nicht zur Anschaffung einer grösseren
gemeinschaftlichen und währschaften Saugspritze entschließen.
Wolhusen-Markt. Plan, aufgenommen und gezeichnet von Adolf Scoda, Entlebuch, 1876. Die schwarzen Häuser fielen dem Brand vom 6. auf den 7. März zum Opfer
Fürio! Nachdem die
Fastnacht des Jahres 1876 sich allerorts sehr breit gemacht, kam auch noch
die alte Fastnacht, Sonntag, den 5. März, hintendrein. Es war sonst alter
Brauch und Sitte, dass am Abend dieses Tages dem scheidenden Winter und
dem heranrückenden Frühling die sogenannten Fastnachtsfeuer angezündet
wurden und weithin die Umgebung beleuchteten. Die gerade an diesem Tage
herrschende schlechte Witterung, Regen mit heftigem Westwinde, tat dieser
Sitte starken Eintrag. Es wurden nur wenige solcher Feuer beobachtet. Auch
der Montag darauf, im Volksmund „Hirsmändig“ geheißen, war sonst
noch der Fastnachtsfreude gewidmet. Wenigstens wurde noch hie und da ein
Vermummter gesehen und an manchen Orten der sogenannte „Hirsmändigbrief“,
ein Spottgedicht an die Adresse fast aller Ledigen und Verheirateten zum
großen Gaudium der Jugend und der Erwachsenen von einem komisch
verkleideten Helden öffentlich vom Pferde herab verlesen. Das noch immer anhaltende,
eher noch zunehmende schlechte Wetter verhinderte aber am 6. März dieses
Jahres die sonstigen gewöhnlichen Kundgebungen dieser Art. Trotzdem
konnten es sich am Abend einige Personen nicht versagen, sich zu maskieren
und in den Wirtshäusern, namentlich in der Krone, zu tanzen. Im Gasthof
zum Rössli in der Wiggern hatte sich der Schützenrat zur Beratung
versammelt und war nach Erledigung der Geschäfte noch bei einem Glase
Wein gesellschaftlich beisammen, als plötzlich um 10.30 Uhr eine Maske
unter der Türe erschien mit dem schrecklichen Rufe: Fürio! Es brünnt im
Märt!. Und wirklich wurde eine helle Lohe entdeckt und immer mehr und
mehr sichtbar. Schnell verteilten sich die gerade Anwesenden, teils auf
den Brandplatz (in der Krone wurde in diesem Momente noch getanzt!), teils
zum Spritzenhauptmann und teils in die Kirche zum Sturmläuten. Viele, ja
die meisten der Bewohner von Markt und Wiggern hatten sich schon dem süßen
Schlafe überlassen gehabt, und es kostete große Mühe und Anstrengung,
dieselben allerwärts aufzuwecken. Das verderbnisvolle Feuer war
entstanden im Scheuerlein des Pfisters Anton Bürli-Lustenberger hinter
dem sogenannten Greterhus, fast mitten in der Häuserreihe, und es teilte
sich blitzschnell rasch dem Hause selbst mit, das mit seinem weitüberhängenden
Hausdach das Scheuerlein beinahe berührte. Angefacht durch den heftigen
Westwind, teilte sich die Flamme auf die zunächstgelegenen Häuser,
Hintergebäude und Abtritte der benachbarten Häuser des Johann Ambühl (Bäselihus)
und des Franz Lustenberger (Pfisterhausanteil) mit, welche ebenfalls von
hinten die betreffenden Häuser in Brand steckten. Man versuchte zwar
durch Handleistungen dem rasch um sich greifenden Elemente zu wehren und
Einhalt zu tun. Allein der heftige Westwind machte alle Versuche zu
nichten, und man war sich bald klar und bewusst, dass die ganze Häuserreihe
eine Beute des entfesselten Elements würde, und beschränkte sich auf
das Retten von Menschenleben und Mobiliar. Im Schrecken und in der Angst
wurde vieles in den Gasthof zum Kreuz getragen oder geschleppt, wo man
damit sicher zu sein hoffte, von wo man aber wegen der wachsenden Gefahr
alles wieder weiter in die Zehnerplätze schaffen und dort vor dem strömenden
Regen möglichst schützen musste. Die inzwischen von Menschenhänden
herbeigeschleppte Feuerspritze wurde rasch in Tätigkeit gesetzt, in der Nähe
des Brandes beim Hause des Herrn Simon Träher (Farbhus) eine Leiter
angelegt und die angrenzenden Schindeldächer möglichst bespritzt. Doch
alles umsonst! Das Feuer setzte seine schreckliche Verheerung fort. Es übersprang
ein Haus - zwei Häuser und setzte das dritte in Brand, besonders die
etwas höher gebauten. Als merkwürdiges Phänomen fiel es gewiss jedem
Anwesenden gewaltig auf, dass die Flammen, gepeitscht vorn rasenden Winde,
nie nur zur Manneshöhe, sondern bereits nur horizontal sich hinwälzten
und somit alle im Wege befindlichen brennbaren Gegenstände ergreifen und
vernichten mussten. Es dauerte kaum eine halbe Stunde, so standen bereits
alle 13 Gebäude der Häuserreihe Richtung Wolhusen‑Wiggern in
hellen Flammen. Mit fast übermenschlicher Anstrengung gelang es, das
schon zweimal vorn Feuer ergriffene Haus des Herrn Portmann (Neuhaus)
demselben wieder zu entreißen, wobei der Besitzer selbst das meiste
beitrug. Es fanden sich nach und nach, teils telegraphisch herbeigerufen,
ein: die Feuerspritzen von Ruswil, Entlebuch, Menznau und Doppleschwand,
welche alle, nebst denen von Wolhusen und Werthenstein, wacker drauflos
arbeiteten. Da, gegen 11 Uhr, als der untere Teil der Häuserreihe in
hellen Flammen stand, da drehte sich der Wind plötzlich nach Westen und
ergriff, beim Haus der Witwe Sinner (Güggelihus) beginnend, auch die
obere Reihe Häuser bis zur obern Schmiede, welche man immerhin zu retten
gehofft hatte, mit seiner vernichtenden Feuersgewalt und äscherte auch
diese ein. Von nun an konnte man nur noch an die Rettung der gegenüberstehenden
einzelnen Häuser denken und an das Neuhaus des Herrn Portmann, das
inzwischen nochmals vom Feuer ergriffen und der größten Gefahr
ausgesetzt war. Es erschienen noch auf dem Brandplatze die Spritzen von
Schüpfheim, Ruswil (zweite), Malters, Willisau (‑Land und
‑Stadt), Schachen, Luzern (etwas vor 1 Uhr) und Neuenkirch, welche,
alle in Tätigkeit gesetzt, ihr möglichstes zur Rettung leisteten. Doch nicht genug damit! Erst
jetzt ca. 1 Uhr fing der große Gasthof zum Kreuz im Innern selbst Feuer,
und auch ihn ereilte das herbe Schicksal, indem er bis auf den gewölbten
Keller gänzlich niederbrannte. Ein harter Schlag für den Besitzer sowohl
als für die übrigen ca. 20 Bewohner, welche sich so lange sicher wähnten
und gerade deswegen wenig von ihrer Habe in Sicherheit gebracht hatten.
Doch wurde das zum Teil hier aufbewahrte Inventar der Gemeindekanzlei
Werthenstein sowie das im gewölbten Keller befindliche Schenkbier des
Bierbrauers Julius von Arb zum größten Teil gerettet. Die Gewalt des vom
Winde angefachten Feuers war so groß, dass handgroße Brände von
Schindeln bis über die Emme, ja bis in die höhern und entfernteren Höfe
Fluh und Altmoos über das Dorf Wiggern hinüber getragen wurden, so dass
dort im Dorfe selbst die Häuser und Scheunen mit Brand bedroht wurden und
die Bewohner daselbst die herankommenden Feuerspritzen von Ruswil und
Menznau anhielten, damit sie ihre brandbedrohten Häuser und Scheunen
bewachten. Glücklicherweise konnten hier tätige Menschenhände mit
nassen Tüchern großes Unglück verhüten, wobei der strömende Regen
getreulich mithalf. Desto ärger aber tobte das
rasende Element im Flecken Markt, wo es auf und ab bis in den Grundboden
hinab alles verzehrte. Kein Keller, kein noch so feuersicher- und
feuerfest geglaubtes Gemach wurde verschont, heftig platzten die in den
Kellerräumen aufbewahrten Vorräte von Petrol, Neolin, Sprit und Schnaps
und dergleichen und gaben dem Feuer neue Nahrung. Die Hitze wurde zur
Unerträglichkeit groß, und kaum glaubte man die vom Feuer noch nicht
ergriffenen Häuser schützen zu können, besonders das mehrerwähnte
Neuhaus und das Neuhäusli des Kaffeewirtes K. Häfliger und das Haus der
Gebrüder Banz bei der Kapelle. Die hier aufgestellte große Saugspritze
von Ruswil musste nach kaum zwei Minuten dauernder Arbeit eines plötzlich
eingetretenen Hindernisses wegen ihre Wirksamkeit einstellen. Ebenso oben
im Markte die neue, sonst erprobte Saugspritze von Doppleschwand. Sie
wurde aber durch diejenige von Schüpfheim ersetzt, welche sowohl das
Harzerhüsli, als auch das Neuhäusli zu retten vermochte. Es galt
endlich noch die Hintergebäude beim brennenden Gasthof zum Kreuz
(Bierbrauerei und Ökonomiegebäude, worin eine deutsche Kegelbahn war) zu
schützen, was besonders den beiden Spritzen von Menznau und Willisau zu
verdanken ist und vollkommen gelang. Dabei fiel ein Mann von der Spritze
von Menznau in den Ölebach, wurde aber wieder gerettet und gestärkt nach
Hause geschickt. Ebenso erhielt ein Mann beim Heben der Willisauer Spritze
einen plötzlichen Leistenbruch. Er wurde aber sofort glücklich reponiert
und der Patient konnte entlassen werden. Nach kaum 2 1/2 Stunden
lagen 22 ‑ 24 größere Firste, worunter 20 stark bewohnte Häuser,
in Schutt und Asche. Manches Auge blickte tränenlos vor innerem Weh in
den noch rauchenden, prasselnden und dampfenden Trümmerhaufen, indes der
Wassereimer immer noch in der Kette lief, die Spritzen immer noch
arbeiteten, um das wenige noch Übriggebliebene zu schützen und zu
retten. Eine stockfinstere Nacht,
orkanartiger Wind und starker Regen ‑ wer hätte es für möglich
gehalten, dass keine Menschenleben dabei umgekommen. Aber es war ja des
Unglücks genug, ja mehr als genug, und es trat nun die Notwendigkeit
heran, die Obdachlosen, die im Regen und Wind frierend und schlotternd bei
ihrer geretteten Habe standen, irgendwo unterzubringen. Auch dieses
traurige Geschäft wurde von einigen Menschenfreunden möglichst bald und
gut besorgt. Die meisten fanden im Dorfe Wiggern oder in den benachbarten
Einsernhöfen bereitwillige Aufnahme. Die geretteten Gegenstände wurden
beim heranbrechenden Morgen in den Zehnerplätzen, oder wohin sie sonst
geflöckt worden waren, zusammengesucht, verladen und fortgeführt oder
fortgetragen, wobei wohl manches an unrichtige Orte und in unrechte Hände
geriet, auch, wie behauptet wurde, vieles gestohlen wurde, was wohl der
ungenügenden Brandwache zuzuschreiben war. Die Spritzen und ihre müdegearbeiteten
Mannschaften verließen nach und nach die traurige Brandstätte, nur
Wolhusen und Werthenstein blieben zurück. Zu ihnen gesellte sich noch im
Laufe des Vormittags die Spritze und Mannschaft von Ruswil. Alle drei
hatten noch vollauf damit zu tun, die hie und da hervordringenden und
aufflackernden Feuerflammen zu dämmen. An einzelnen Stellen konnte man
noch nach 8 ‑ 10 Tagen Feuer zum Vorschein kommen sehen, so
namentlich in den abgebrannten Magazinen der Frucht- und Mehlhändler. Der Telegraph, der beim
Ausbruch des Brandes durch Weitergeben wiederholter Alarmzeichen sein möglichstes
tat, wurde an vielen Orten wegen der vorgerückten Nachtzeit nicht mehr
gehört. So zum Beispiel in Escholzmatt, welches sich per Eisenbahn
schnell auf der Brandstätte hätte einfinden können. Am. Morgen des 7. März
wartete seiner wieder überhäufte Arbeit, um die vielen Telegramme nach
allen Richtungen zu spedieren, womit der Welt die schauerliche Kunde von
dem schrecklichen Brandunglücke mitgeteilt werden sollte. Sofort wurde
auch der hohe Regierungsrat von dem stattgefundenen Brande offiziell in
Kenntnis gesetzt und gebeten, eine Abordnung zur Besichtigung und vorläufigen
Abschätzung des Feuerschadens für die kantonale Brandversicherung
herzuschicken. Trotz des immer noch anhaltenden schlechten Wetters fand
sich eine große Anzahl der Bewohner der Umgebung, von Luzern und aus dem
Entlebuch bei der Brandstätte ein und bezeugte lebhaft ihre innige
Teilnahme am großen Unglück. Schon im Laufe des Vormittags stellte sich
eine große Abordnung des hohen Regierungsrates ein, und es wurde unter
Mitwirkung von Gemeindeammann Portmann und anderer ein vorläufiges
Verzeichnis der abgebrannten Gebäulichkeiten aufgenommen, woraus sich ein
Brandschaden an kantonal versicherten Gebäuden von ca. Fr. 184 000 --
herausstellte. Ebenso stellten sich auch die Haupt ‑ und
Unteragenten der verschiedenen Mobiliarversicherungsgesellschaften ein.
Diese konnten aber bei der noch herrschenden Verwirrung und der ganz
beklommenen Gemütsverfassung der Unglücklichen noch nicht an die Abschätzung
des Schadens denken, welcher, wie man ungefähr schätzte, den der Gebäude
um ein bedeutendes übersteigen musste. Die letzteren nämlich waren, wenn
auch vielleicht mit etwas Kosten repariert, dennoch alt und mit Ausnahme
des Märzenhauses des Sebastian Gürber sehr gering versichert, während
sich die Bewohner allenthalben, wenn auch nicht gerade luxuriös, doch
sehr wohnlich und einfach eingerichtet hatten. Da stand nun mancher, vom
schnell und plötzlich hereingebrochenen Unglück hart und schwer
Betroffener an der noch rauchenden Stätte, wo er bequem in seinem
traulichen Stübchen gehaust und sein Auskommen gefunden hatte. Er war in
dieser einen Nacht zum Bettler geworden und zum armen Mann. Denn außer
etwas Mobiliar und Kleidern war ihm alles ein Raub der Flammen geworden
und er auf die milde Hand seiner Mitmenschen angewiesen. Die Entstehung
des Brandes, wie sie nachher nach und nach bekanntgeworden, und die erste
Ausdehnung im betreffenden Scheuerlein bei Anlaß der Geburt eines
Zickleins kam manch einem etwas sonderbar vor und fast unerklärlich, und
doch hatte die ganze Katastrophe so stattgefunden, wie wir sie oben
schilderten. Sie findet ihre nächste Erklärung nicht nur in einer
strafbaren Nachlässigkeit der betreffenden Feuerpolizei, welche in den Ställen
offene Lichter duldete, sondern auch im geflissentlichen und verhängnisvollen
Schweigen der Familie Bürli beim Ausbruch des Brandes selbst, teils aber
endlich und wohl zum größten Teil in der Wut der gerade selbige Nacht
entfesselten Elemente. Es sollen hier noch einige
besondere Vorkommnisse erwähnt sein. Schuster Johann Büchler, wohnhaft
im Hause des Pfisters Bürli, erwachte erst durch den Straßenlärm des Füriorufens.
Seine Zimmertür öffnend, fand er das Haus im Innern schon in Rauch und
Flammen. Er warf schnell entschlossen etwas Bettgewand auf die Gasse und
rettete sich mit einem Kinde im Arm durch einen Sprung aus dem Fenster.
Seine Frau wollte sich ebenfalls auf diese Weise retten, klammerte sich
aber aus Furcht vor dem Falle mit den Händen an das Fenstergesims und
hielt sich so, bis sie vom schnell herbeigeeilten Xaver Husistein mittels
einer Leiter gerettet werden konnte. Die Familie verlor ihre sämtliche
Habe und den ganzen Vorrat von fertigen Schuhen und Stiefeln, womit sie
einen kleinen Handel getrieben hatte. Ein anderer Arbeiter im Hause des
Sebastian Gürber, namens Josef Zeder, musste nach mehrmaligem Wecken bei
den Haaren zum Bette herausgerissen werden, um ihn nicht eine Beute des
Flammentodes werden zu lassen. Auch Züge von Unerschrockenheit, sogar von
Frechheit und Verwegenheit ließen sich viele hier verzeichnen. Manche
haben bei ihrer übergroßen Anstrengung bei den Rettungsarbeiten oft ihr
Leben und alles, was ihnen teuer war, in die größte Gefahr gesetzt. Es
bleibt uns noch übrig, die abgebrannten Häuser mit ihren Zunamen, deren
Bewohner und Beschäftigung anzugeben: 1. Obere Schmiede des Josef Fallegger. Pächter:
Klaus Schmidiger, Schmied
12 Bewohner 2. Schlosserhausanteil des Josef Dißler, Negoziant undFuhrhalter 9 Bewohner 3. Schlosserhausanteil des Johann Stocker, Spengler
11 Bewohner 4. Großitelihus der Witwe Wermelinger, Negoziantin 6 Bewohner 5. Küferhaus des Niklaus Bucher,
Fruchthändler
7 Bewohner 6. Güggelikus der Witwe Sinner, Negoziantin 7 Bewohner 7. Bäselihus des Johann Ambühl, Pächter:
Josef Heini, Negoziant und Fuhrhalter
7 Bewohner 8. Greterhus des Anton Bürli,
Pfister
7 Bewohner 9. Pfisterkusanteil des Franz Lustenberger, Fell‑
und Kalberhändler
6 Bewohner 10. Pfisterhusanteil des Anton Zwinggi, Wirt und Bäcker
4 Bewohner 11. Farbhus des Simon Treyer,
Negoziant und Färber 12 Bewohner 12. Zollerbus des Sebastian Gürber,
Handlung
7 Bewohner 13. Kleinitelihus des Simon Treyer, Pächter:
Lukas Häfliger, Fuhrhalter
7 Bewohner 14. Krone des Thomas Schnyder,
Wirt
6 Bewohner 15. Baderhüsli des Xaver Mahler, Schuster
7 Bewohner 16,
Gerbehus des Peter Heller, Sattler
12 Bewohner 17. Untere Schmiede des Xaver Häfliger, Schmied 13 Bewohner 18. Märzenhus des Sebastian Gürber, Pächter:
Johann Fischer, Fruchthändler 10 Bewohner 19. Schmiedhalde des Josef Renggli, Schreiner
6 Bewohner 20. Kreuz des Gottlieb von Asch,
Wirt und Metzger 26 Bewohner In obigen 181 Bewohnern sind
inbegriffen folgende Gewerbetreibende, Mieter und Hausleute: Frau Lauber, Wäscherin (in
Haus 1); Josef Affentranger, Wagner (3); Josef Windli, Arbeiter (5);
Johann Tschupp, Arbeiter (5); Ignaz Rast, Müller (6); Magdalena Theiler,
Näherin (7); Elisabetha Fleischli, Näherin (7); Xaver Portmann, Metzger
(7); Johann Büchler, Schuster (8); Johann Wüest, Privatschreiber (10);
Alfonso Bianchi, Bauunternehmer (11); Johann Stengle, Geometer (12); Witwe
Hunkeler, Wäscherin (13); Witwe Stalder, Wäscherin (13); Katharina Vonäsch,
Wäscherin (13); Hyazintho Marra, Bauunternehmer (14); Michael
Lustenberger, Schneider (15); Stefan Rimer, Arbeiter (15); Maria Stöckli,
Näherin (15); Johann Fischer, Arbeiter (16); Franz Josef Gernet, Taglöhner
(17); Alois Thürig, Fruchthändler (17); Gebrüder Kaiser, Schreiner
(18); Maria Bachmann, Näherin (18); Josef Birrer, Camionneur (18); Witwe
Bucher, Arbeiterin (19); Josef Grüter, Schneider (19); Josef Bieri, Grämpler
(19); Julius Vonarb, Bierbrauer (20); Sigmund Grüter, Gemeindeschreiber
(20). Die meisten dieser Hausleute hatten 8 - 10 Tage vor dem Brand ihre
Wohnungen gewechselt oder waren von der äußern Gemeinde Wolhusen‑Wiggern
oder auch von auswärts eingezogen. Nicht abgebrannt waren
einzig sieben Wohnhäuser, die Marktkapelle, die Mühle und
Maccaronifabrik der Gebr. Banz, das Gemeindehaus beim Brunnen vor
derselben, die Knochenstampfe und die Bierbrauerei. Die sogenannten
Zehnerplätze, von denen weiter vorne die Rede war, lagen auf der
Landebene zwischen Emme und Maccaronifabrik und wurden deshalb so genannt,
weil das ganze Nutzgebiet in zehn gleichmäßige Plätze aufgeteilt war.
Diese Landparzellen waren Bestandteil der Liegenschaften Bäselihus,
Kleinitelihus, Zollerhus, Farbhus, Untere Schmiede, Märzenhus, Küferhaus,
Pfisterhaus und Ölihus. Hilfe
für die Brandgeschädigten. Dienstag, den 7. März,
nachdem die Obdachlosen und ihre ganz durchnässte Habe zur Not
untergebracht und im Laufe des Vormittags eine Abordnung des
Regierungsrates eingetroffen war, wurde auf Anregung einiger Bürger auf
nachmittags ein Uhr eine Versammlung zusammenberufen, um so schnell als
nur möglich ein Hilfskomitee zu konstituieren. Dieses sollte durch
geeignete Hilferufe Gaben für die Brandgeschädigten sammeln und sie
unter dieselben verteilen. An dieser Versammlung nahmen teil: der hochw.
Herr Pfarrer Mauriz Heller, der besonders initiative Regierungsrat Julius
Schnyder, Fürsprech Josef Treyer, Grossrat Jakob Portmann, Simon Treyer,
Negoziant, Lehrer M. Eiholzer und Sebastian Grüter, Arzt. Nach
einleitenden Worten des Fürsprechs Treyer wurde sofort zur Wahl des fünfköpfigen
Komitees geschritten. Es wurden gewählt: hochw. Herr Pfarrer Mauriz
Heller als Präsident und als Mitglieder Fürsprech Josef Treyer, Dorf,
Gemeindepräsident Xaver Heller, Emsern, Grossrat Jakob Portmann, Markt,
und Waisenvogt Niklaus Bucher, Grossstein. Ferner beschloss man, sofort in
allen kantonalen Zeitungsblättern einen Hilferuf zu erlassen. Dieser lag,
vom Arzt Sebastian Grüter entworfen, bereits vor. Regierungsrat Schnyder
machte das Anerbieten, dass der Regierungsrat für die erste und größte
Not eine vorläufige finanzielle Unterstützung schon Mittwochmittag anher
senden könne. Endlich wird die Konstituierung und erste Sitzung des
Hilfskomitees auf Mittwoch, den 8, März, in den Pfarrhof angesetzt. Den Nachmittag hindurch
eilten viele Bewohner der Umgebung trotz dem noch anhaltenden schlechten
Wetter herbei, und die Eisenbahnzüge brachten ebenfalls von Luzern und
aus dem Entlebuch Scharen von Neugierigen. Die meisten zogen dann zur
Herzensstärkung in den noch einzig bestehenden Gasthof zum Rössli.
Daselbst veranstaltete Kapitän Huber von Luzern, tief ergriffen von dem
Unglücke, sofort eine erste Sammlung, welche Fr. 114.‑ ergab. Bevor
noch der Hilferuf in den Zeitungen erschien, sandte ein in Schüpfheim
schnell gebildetes Komitee schon am Dienstagabend eine große Kiste mit
gesammelten Kleidungsstücken. Samstag, den 11. März, überbrachten zwei
Abgeordnete von Ruswil, hochw. Herr Pfarrverweser Wermelinger und
Bezirkslehrer J. Steffen, eine Sammlung von Liebesgaben, eine große Menge
Effekten und die schöne Gabe von Fr. 1468.-- in bar. Der inzwischen von den
Amtsgehilfen Josef Meyer in Ruswil und Anton Schmid in Schüpfheim
ermittelte Brandschaden belief sich auf Fr. 462 181.-- . Diesem Betrag
stellten sich Fr. 246 096.97 als Leistungen der Versicherungen und Fr. 31
291.93 aus der Liebesgabensammlung gegenüber, so dass der Verlust noch
Fr. 84 793.‑ ausmachte. Das Schadenverzeichnis wurde auf einige Zeit
zu schriftlichen Einsprachen beim Aktuar aufgelegt. Zu Gunsten der ärmeren Häuserbesitzer,
die ihre Häuser wieder aufbauen wollten, wies der Regierungsrat durch das
kantonale Hilfskomitee 40 Stämme Holz aus dem Werthensteiner Klosterwald
an. Das Fällen und Zurüsten wurde aber dem hiesigen Komitee überwiesen.
Das Ergebnis davon waren 94 Saghölzer, etwas Bauholz und drei Klafter
Doldenholz. Bei der Schlusssitzung des
Komitees vom 7. Juni 1877 wurde nachträglich ein Brandgeschädigter, der
bisher keine Berücksichtigung fand, mit einer Geldgabe von Fr.
37.‑, dem letzten Rest der Hilfskasse, zufriedengestellt. Die letzte
große Verteilung hatte vorher, am 21. Januar 1877, in aller Ordnung
stattgefunden. Es wurde nun beschlossen, die gesamte und genehmigte
Rechnung auch dem Regierungsrat zur Prüfung und Genehmigung zu
unterbreiten. Die Genehmigung durch denselben erfolgte am 15. Juni.
Ebenfalls wurde beschlossen, dass alle den Brand betreffenden Protokolle,
Verzeichnisse, Hauptbücher, Rechnungen und übrigen Schriften gesammelt,
geordnet und in einer besonderen Schachtel auf der Gemeinderatskanzlei
Werthenstein aufbewahrt werden sollen. Wer also über den verheerenden
Brand im Markt vom Jahre 1876, insbesondere über die mehr als vierhundert
eingegangenen Liebesgaben, mehr wissen möchte, wird in den betreffenden
Akten reichlich Material finden. Sie zeugen von einem großen Unglück,
das aber durch die Wohltätigkeit der Mitbürger und Miteidgenossen großmütig
und edelsinnig gemildert worden ist. Dank der großen Hilfe
erlebte der Flecken Markt schon unmittelbar nach dem Brand wieder seinen
Aufbau. Aus den Trümmern und Ruinen der 20 in Schutt und Asche gesunkenen
Wohnhäuser wurden schon im Laufe des ersten Jahres nach einem vom
Regierungsrat entworfenen Plan an der gleichen Stelle sieben neue, solide,
steinerne Häuser, worunter zwei Doppelhäuser, erbaut, nachdem die Geschädigten
ihre Hausplätze verkauft oder vertauscht hatten. Drei Neubauten wurden
nach Wolhusen‑Wiggern verlegt, teils weil die Besitzer den früheren
Hausplatz zu einem guten Preis losgeschlagen hatten, teils weil sie näher
bei der Bahnstation wohnen wollten. Nur vier Hausplätze waren 1877 noch
unbebaut, so dass dieser wieder ein stattliches Aussehen gewonnen hatte
und Fremde und Einheimische sich über die totale Veränderung höchst
verwundert zeigten. Der Markt darf sich seither zu den schöner gebauten Dörfern
des Kantons zählen, im Unterschied zu dem früheren alten und düsteren
Flecken. Sofort wurden natürlich
auch bessere feuerpolizeiliche Vorkehrungen getroffen. Sowohl in Wolhusen
wie in Werthenstein kam es zur Anschaffung schöner neuer Saugspritzen,
wobei Wolhusen eine solche der Firma Gimpert, Küsnacht am Zürichsee, und
Werthenstein eine solche ganz eigentümlicher Konstruktion der Gebr. Graßmeyer,
Feldkirch im Vorarlberg, anschaffte.» aus
„Wolhusen – ein Heimatbuch“ 1958
Diesen Bericht als pdf-file (738 KB / ca. 2 min.) herunterladen: Hier |
||||||||||||||||||||||||||||
13.01.2011 hs.p.